Vor langer, langer Zeit, als Japan und China in kriegerischer Auseinandersetzung einen Wettkampf um die Vormachtstellung in der Region austrugen, schickte der chinesische Kaiser eine übermächtige Flotte, gegen Japan, um den Dorn im Auge für immer und ewig in chinesische Hand zu bringen. Als sich diese siegessichere Flotte auf den Weg machte, so erzählt uns die Sage, da versammelte der japanische Gott der Winde die stärksten unter seinen Kindern und gab ihnen den Auftrag, die See um die chinesische Flotte aufzuwühlen. Tatsächlich versenkten der Wind die gesamte Armada der Chinesen - die Japaner nennen dieses Phänomen bis heute "Kamikaze" japanisch für "göttlicher Wind": Gott war in Form des Windes auf Erden gekommen und hatte dem Menschen seine Allmacht gezeigt. Von einer ähnlichen Begebenheit erzählt uns die Sage des WC Windmühle, fernab vom östlichen China, in Hallein, Österreich, Salzburg, Tennengau.

"WC Windmühle"? Was soll das heissen? Und wer benennt seinen Wuzelverein so? Kinder? Verrückte? Oder eine Horde lustig-Besoffener? Die Realität, man ahnt es bereits, ist meistens komplexer als die Geschichten, die sie schreibt, so auch in der frühherbstlichen Keltenstadt Hallein, wo sich noch so mancher keltische Gott herumtreibt und wo der Begriff "WC Windmühle" aus einer Kombination aus allen drei eben genannten Typen entstand. Jeden Sonntag begab sich dort eine Gruppe aus bunt zusammengewürfelten Kindisch-Gebliebenen und Wuzel-Verrückten, um sich in der Bar Fallschirm oder der ZONE 11 dem berüchtigten Wuzelrausch und all seinen Begleiterscheinungen hinzugeben. Der Wuzelverein Hallein war bereits konstituiert, das Kind hatte jedoch noch keinen Namen bekommen...so wurde der Begriff WC Windmühle eines Abends aus einer wuzelistischen Ausnahmesituation geboren:

Flo aka Zwo, im Ballbesitz, hinten. An was danach kam, kann sich eigentlich niemand so genau erinnern; es schien so als wäre plötzlich eine eindeutig göttliche Kraft auf die Erde gekommen, um in Flos Hand zu fahren und all die Ungläubigen und Gläubigen mit dem den Urwuzeltrick zu bekehren. Für einen kurzen Moment flackerte göttliche Eingebung in Flos Augen auf, die Anwesenen erstarrten, er deutete einen Schieaba an, doch ebenso schnell war die göttlich Magie verschwunden, seine Hand erschlaffte und rutschte vom Griff ab. Das anfängliche Staunen und Innehalten der Zuschauer war dabei in Gelächter auszubrechen, an Zigaretten wurde wieder gezogen, am Bier wieder getrunken; der Glaube an den Urschmäh war wieder gebrochen, der gemeinte Schieaba war hoffnungslos abgerissen und in Richtung rechten Verteidiger unterwegs, dieser rotierte mittlerweile durch die Abrutschbewegung Flos profaner Hand planlos am Spielfeld. In einer Situation des Chaos und des Unglaubens jedoch manifestierte sich erneut göttliche Gewalt: ein starker Wind, der die Spieler frösteln lies und einer Windmühle gleich die Verteidiger Flos in Bewegung setzte, kam im Tisch auf, das Spielgeschehen hatte sich nun verselbstständigt. Der vom rechten Weg abgekommene Ball und der durch göttlichen Wind mühlenhaft angetriebene rechte Verteidiger, trafen sich, Atom und Körper karambolierten und schufen aus dieser physikalischen Ausnahmesituation ein schräg geschossenes und an Härte unübertreffbares Tor der Extraklasse. Während das Geräusch des Balles, der ins Tor krachte, nachhallte und durch das Surren des Kreise ziehenden Windmühlenverteidiger in die Länge gezogen wurde, hielten die Spieler inne, um diesen Moment der Allmacht zu würdigen und um sich folgendes ins Bewusstsein zu rufen: Du sollst nicht zweifeln an des wuzeln Göttlichkeit. Das Tor war da, und sie sahen das es gut war. In jener Nacht wurde der Halleiner Tischfußballverein, vulgo Wuzelclub, "WC Windmühle" geboren, um das wohl größte Wunder seit Lourdes in Ehre und Erinnerung zu halten.

Und manchmal, wenn man nach einem verrauchten und versoffenen Abend die ZONE 11 verlässt und das Licht im Wuzeltisch ausgeht, dann kann man es noch immer hören, das leise Surren der Windmühlen im verlassenen Tisch.

© Axel Pohn-Weidinger

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